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„Az Buki Vedi“ – über die Tradition einer bulgarischen Schule in Deutschland

Foto: ABA

Auch wenn sie in einer fremdsprachigen Umgebung und fern der Heimat  aufwachsen, bleiben die Kinder bulgarischer Emigranten mit ihrem Herkunftsland verbunden. Einer der wirksamsten Wege, diese Bindung zu schaffen und aufrechtzuerhalten, sind die bulgarischen Sonntagsschulen. Zu den aktivsten Bildungsstätten im Ausland gehört das in Köln ansässige „Az Buki Vedi“.

„Das Erste, was wir den Kindern erzählen – und das wie ein Märchen klingt – sind die Buchstaben. Sie sind Magie“, sagt Rossitza Bairaktarski, Leiterin der Schule. 

Росица Байрактарски
Die bulgarische Sonntagsschule in Köln wurde 2009 als private Elterninitiative gegründet. Den Unterricht in Bulgarisch, Literatur, Heimatkunde, Geografie und Geschichte übernahmen anfangs die Mütter und Väter selbst. Heute besuchen 330 Kinder im Alter von drei Jahren bis zur elften Klasse die Einrichtung, betreut von elf Lehrkräften. Neben den vom bulgarischen Bildungsministerium vorgeschriebenen Pflichtfächern können die Schülerinnen und Schüler auch Theater spielen, Volkstänze lernen oder in Folklorewerkstätten mitwirken. 
Unabhängig vom Sprachniveau habe jedes Kind ein Bild von Bulgarien, das es mit etwas Konkretem verbindet, so Bairaktarski. 


„Ein authentisches Bild unseres Landes vermitteln wir durch Sprache, Gegenstände und Bücher in jedem Klassenzimmer, durch altersgerechte Unterrichtsmaterialien aus Zeitungen, Kinderliteratur und Sendungen. Natürlich auch durch alles, was die Kinder berühren, hören, sehen, fühlen oder nachspielen können. Unterstützt werden wir durch vom Bildungsministerium organisierten Reisen nach Bulgarien, die große Freude bereiten, sowie durch unsere Schülerbibliothek, die jedes Jahr um 10 bis 15 Neuerscheinungen ergänzt wird.“ 
Die Interessen der Kinder sind vielfältig: Theater steht an erster Stelle, gefolgt von Musik- und Tanzkursen. Ältere Schülerinnen und Schüler widmen sich eher einer zeitgemäßen Auseinandersetzung mit ihrer Verbindung zu Bulgarien. Grundlage für all dies sei jedoch immer die Beherrschung der bulgarischen Sprache. 


„Wir bieten zwei Arten von Unterricht an – Muttersprachenkurse, deren Programm dem in Bulgarien ähnelt, sowie Sprachkurse auf den Niveaus A1 und A2“, erklärte Bairaktarski. Viele Kinder beginnen bereits im Kindergarten oder in der ersten Klasse, andere bringen gewisse Sprachkenntnisse mit und werden den Muttersprachlern zugeordnet. Die Zweisprachigkeit sei bei den Kindern unterschiedlich stark ausgeprägt – eine große Herausforderung für die Auslandsschulen. 
Entscheidend sei auch, in welcher Sprache Eltern mit ihren Kindern sprechen und ob sie sie ermutigen, sich mit Worten auszudrücken, die in einem kleineren Kreis verstanden werden. Das helfe den Kindern, im Bulgarischen voranzukommen und den Wunsch zu entwickeln, sich in eine teils fremde Lernumgebung einzubringen. 


Die Eltern bildeten eine große Gemeinschaft rund um die Schule, die sich zu verschiedenen Anlässen und Aktionen treffe. Gemeinsam mit Lehrkräften und Kindern feiern sie Weihnachten, Neujahr und den 24. Mai und beteiligen sich an Initiativen mit anderen Organisationen in Köln, etwa dem „Buchstabenmarsch“, bei dem das Fest des bulgarischen Schrifttums und der Kultur über die Schulgrenzen hinausgeht. 


Brauchen die Lehrpläne bulgarischer Schulen im Ausland eine Modernisierung? 
„Unbedingt“, sagt Bairaktarski. „Im vergangenen Jahr wurde ein revolutionärer Schritt in die richtige Richtung getan: Programme für die Vorschulerziehung im Ausland sowie für die ersten sieben Jahre nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen, damit Kinder Bulgarisch als zweite oder fremde Sprache erlernen können. Ich hoffe, das ist die Grundlage für eine künftige Entwicklung und für neue Lehrsysteme.“ 


Trotz der Sommerpause richtet die Schule in Köln den Blick bereits auf das neue Schuljahr – die Anmeldung ist abgeschlossen. 


Autorin: Diana Zankowa

Übersetzt und veröffentlicht von Lyubomir Kolarov

Redaktion: Georgetta Janewa

Fotos: ABA, BSS „Az Buki Vedi“, Facebook



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